Nächtlicher Blick auf den HuangPu-River und den 'Bund' von meinem Appartment aus

Samstag, 20. Dezember 2008
Warum Chinesen ungern "Nein" sagen oder Die Sache mit dem Notausgang
Die asiatische gleicht der westlichen Psyche in vielem ebenso sehr wie die chinesische Volksmusik einer Oper von Richard Wagner. Das ist aus meiner Sicht übrigens eine neutrale Formulierung – ich mag beides nicht (und ich meine dabei nicht die Psychen).
Der Asiate an sich (wenn ich mir erlauben darf, den armen Kerl so plump über einen Kamm zu scheren) tut sich mit der direkten Anerkennung der eigenen "Unzulänglichkeit" doch recht schwer. Dabei ist Unzulänglichkeit gar nicht negativ gemeint, sondern soll lediglich als Ausdruck einer Unfähigkeit dienen, z.B. auf den Wunsch seines Gegenübers eben - wunschgemäß - reagieren zu können.
Man stelle sich vor, einem Chinesen im 45. Stock eines Hochhauses mit einladender Geste in Richtung Balkontüre zu eröffnen, dass man es doch ganz gut fände, wenn dieser sich jetzt über das Balkongeländer hinweg gen Abgrund stürze. Dergleichen Situation bringt unseren Chinesen in eine unangenehme Lage. Einerseits möchte er nicht einfach plump widersprechen, andererseits hat er die Einkäufe für seine Frau noch nicht erledigt und kann deshalb dem Wunsch dummerweise nicht nachkommen ohne damit woanders Gefühle zu verletzen. Er löst den Konflikt vermutlich geschickt auf, indem er entweder - die Anfrage ignorierend - lächelt und schweigt (bzw. so tut als hätte er nicht verstanden), oder aber die örtlichen polizeilichen Verordnungen zitiert, die ein Herabspringen ausgerechnet aus dem 45. Stock eines Gebäudes unter schwere Strafe stellten (wenngleich Todesurteile bei diesem Tatbestand selten wären). Er überlässt es damit der Feinfühligkeit des Gesprächspartners, festzustellen, dass er eigentlich nicht springen möchte - ganz ohne direkt widersprochen zu haben. Wehe dem Chinesen, der nun an einen typisch "feinfühligen", eher pragmatisch veranlagten Deutschen geraten ist, der freudig vorschlägt einfach ein Stockwerk höher zu gehen.

Beim letzen Flug von Shanghai nach Peking wollte ich mich beim check-in nach einem Platz in der Notausgangsreihe erkundigen, nachdem mir auf den Flügen zuvor schmerzhaft klar wurde, dass 1,94 m Körpergröße nicht exakt das chinesische Standardmaß sind und die Sitzreihen hierzulande entsprechend lächerlich eng gestaffelt sind. Meine höfliche Nachfrage wird vom Herrn am check-in Schalter zunächst lächelnd ignoriert, wie gesagt, die Standardvariante. Damit hätte ich es in den meisten Fällen – feinfühlig wie ich bin – auf sich beruhen lassen, aber meine Kniescheiben und die Aussicht auf die höllischen Schmerzen in denselben lassen mich weiter bohren.
"Sorry Sir, it is not possible, very sorry, yes". Und warum? Pause. Der gute Mann begreift nicht, warum ein einfach umschriebenes "Nein" nicht ausreicht - immer diese Ausländer, wie unangenehm - so lese ich in seinen Gesichtszügen. Dann kommt ihm ein Gedanke: "Sir, it is exit row. You must be speak Chinese to sit". Wie bitte? Nur wer chinesisch kann darf dort sitzen? Was soll das denn heißen - ich frage nach. Offensichtlich hat er aber damit gerechnet und erklärt freudestrahlend: "Sit exit row must need talk to people in airplane when have emergency". Aaaah, ein ganz schlauer Bursche. Wir haben eine "gesetzliche" Ausrede gefunden. Ich gebe mich nicht überzeugt und biete großmütig an, im Katastrophenfall kommentarlos als Erster das Flugzeug zu verlassen.
In den Zügen des Schalterbeamten erkenne ich einen kurzen Augenblick lang Abscheu vor meiner soeben zur Schau gestellten Feigheit. Ich gebe zu, ein ziemlich jämmerlicher Versuch, aber immerhin. Mein Gegenüber jedoch verlegt sich schnell wieder auf die Schweigen-und-Lächeln-Taktik. Ich bin gewillt ein klein wenig Ehre zurückzugewinnen indem ich wenigstens dieses Gefecht austrage und so schweige ich lächelnd zurück. Sekunden verstreichen, bis ein beherrschtes "No sorry, not possible if not speak Chinese" über seine Lippen kommt. "Security reasons, not safe for other passenger" versucht er wiederholend nachzusetzen. Na gut, ich kann auch anders, raffe meine drei Wochen Chinesischunterricht zusammen und versuche den Satz "Kein Problem, ich spreche fließend Chinesisch" zu formulieren. Gute Idee – mangelhafte Umsetzung, das Kunststück misslingt, vermutlich habe ich "ich möchte diesen Teppich nicht kaufen" gesagt, wie ich den nun amüsierten Blicken meines Gegenübers entnehme. "Sorry, Sir, not enough", feixt er. Verflixt, ich muss mehr üben. Ich bin kurz davor die Flinte ins Korn zu werfen und mich nach einer Apotheke wegen einer Salbe gegen "Knie" zu erkundigen, als mir ein brillanter Gedanke kommt. Was ist denn mit den anderen nicht-chinesischen Fluggästen im Notfall! Die brauchen doch auch eine wegweisende Stimme, um sicher zum Notausgang zu finden, oder? Ich erläutere ihm dies und schließe mit den Worten: "and I CAN speak English!". Ha, ich habe ihn erwischt, ich weiß, dass ich gewonnen habe, gegen dieses Argument ist er machtlos. Ich lächle ihn an und meine in seinem gebrochenen Blick zu erkennen, dass diese Runde an mich geht.
Ohne den Monitor mit der Sitzbelegung der Maschine eines einzigen Blickes zu würdigen, entgegnet er resigniert: "Sorry, Sir, all seats in emergency row are booked" und übergibt mir meinen Boardingpass den er seit Gesprächsbeginn in den Händen hält.

Gut, im Nachhinein betrachtet, ich habe ihn provoziert. Er hat versucht mir den Notsitz freundlich auszureden und ich wollte nicht hören. Selber schuld, dass ich jetzt im Flieger sitze, meinem Vordermann in gebrochenem Chinesisch erklären muss, dass seine Rückenschmerzen kein Bandscheibenvorfall sind, sondern meine Kniescheiben die sich in seine Nierengegend bohren, während drei Reihen weiter vorne, in der mit "Exit" gekennzeichneten Reihe, auf mehreren Plätzen gähnende Leere herrscht.

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Da muss man nicht in Shanghai sein
Hallo Max,

da es bei uns hier schon seit Tagen dauerregnet, habe ich endlich mal Zeit gefunden - auf Jochens Hinweis - Deine lustigen Geschichten zu lesen...

Ich sage Dir, so weit weg muss man gar nicht wohnen, um derartige Probleme mit den besten Sitzen im Flieger zu haben. Uns ist es auf einem unserer Flüge mit den Kindern auch schon so ergangen, man wollte uns nicht verstehen!!!!!!

Bis bald und mach weiter so,
Angelika mit Anhang

PS: Falls Du keine Lust mehr auf Arbeiten hast, kannst Du ja freier Schriftsteller werden. Du hättest in jedem Fall Erfolg!!!!!

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Wie man ohne Platz am Notausgang fliegen kann
ich bin vor ein paar Wochen mit ein paar alten Freunden, d.h. einer war alt (der lebt jetzt in China) zum Wintersportwochenende in die Alpen gefahren. Kurz gesagt, die Fahrt dahin war lang, das Wetter sehr schlecht und der Fahrer der Depp, da sich der Rest im Auto (auch ohne Beinfreiheit) mit Augustiner den Magen-Darmtrakt flutete und neben plötzlichen, dringenden Bedürfnissen, eine Menge Spass hatte. Somit der Tipp, wenn die Chinesen das nächste Mal keinen Platz am Notausgang vergeben wollen, Frage nach viel Augustinel, so kann man auch angenehm reisen.

Apropos Reisen, ich war am Wochenende zum Geburtstagsbrunch der Schwägerin eingeladen. Wir wollten die Babys mitnehmen und somit war es sehr spannend wie wir das alles bewerkstelligen (die Helden des Alltages). Wir gingen wie folgt vor:

Zunächst etwas zu spät alle Sachen zusammensuchen, das Geschenk verpacken, alles einladen und auf nach Landshut in das angedachte Restaurant zum Brunch. Nach ruhiger Fahrt trafen wir mit geringer Verspätung ein, parkten in der Tiefgarage auf Deck U2, bepackten uns und auf in den 3 Stock zum Brunch!

Es ist ja allgemein bekannt, dass ich nur schwer Personen erkenne oder finde, aber nachdem ich nach zwei Runden durchs Restaurant niemanden fand der bereit war aufgrund eines Geburtstages die Zeche von mir zu übernehmen, fragten wir mal nach, ob eine Reservierung existiert ... natürlich gab es keine!! Nachdem aber Datum genau und Uhrzeit ungefähr stimmten, musste der Ort falsch sein, also mal kurz mit dem Handy anrufen .... wo ist das Handy ... OK vergiss das!

Erst mal wieder runter in die Tiefgarage (U2) alles wieder einpacken und eine Telefonzelle suchen. Aufzug (der selbe der uns von U2 in den 3. Stock fuhr) fährt ohne Problem bis U1, dann steht er: nochmal drücken ... keine Reaktion, OK vielleicht muss man nur ganz oft und sehr kräftig drücken ... NEIN ... Beschimpfen, gegen das Schaltpult hämmern und alle Knöpfe drücken brachte auch nichts! Also die Treppe! Alles wieder ins Auto und Telefonzelle suchen.

Es gibt wenige Nummern die ich auswendig weiß, glücklicherweise gehört die meines Bruders dazu: Hörer abnehmen, Geld einwerfen (so eine Telefonzelle gibt es tatsächlich noch), wählen, sich entschuldigen (die Tastatur hat wohl eine Zahl nicht angenommen), auflegen, neues Geld einwerfen, neu wählen: "Servus Bruder, dachte heute ist Brunch" ... "ja, ist er auch" ..."OK, aber wo? Wir sind in Landshut im Restaurant" ... "Ihr seid wo??? Der Brunch ist bei uns zu Hause" ..."tuuut" -Geld aus.

Mit einer etwas größeren Verspätung kamen wir schließlich an. Zwei Sekt und zwei Bier später gings dann auf dem etwas kürzeren Weg wieder heim. Nebenbei erwähnt waren unsere Babys die ruhigsten auf der Reise.

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